Lebenszeichen aus KL

Juli 14, 2008

(Alex)

Um wenigsten den Zwei-Wochenrhythmus halten zu können schreibe ich nach langer Zeit mal wieder von unseren Erlebnissen fernab der Heimat.

Wobei es gar nicht so fernab war, denn meine Eltern, meine Schwester und ihr Freund waren nach ihrem Bali Urlaub bei uns für 5 Tage zu Besuch. So schön es in einer „fremden Welt“ auch sein mag, seine Familie zu sehen ist schon ein Highlight. Auf meiner Agenda waren von Speisen bis Aktivitäten unzählige Punkte gelistet, die es abzuarbeiten galt. Das Wetter machte uns aber in positiver Hinsicht ein Strich durch die Rechnung. Die kompletten 5 Tage war es so heiß und schwül, dass man nach wenigen Gehminuten stets eine Pause brauchte. So mussten wir letzten Endes einige Punkte streichen, aber ich denke doch dass wir alles Wesentliche zeigen konnten. Meine Qualitäten als Cityguide sind aber noch ausbaufähig, hin und wieder habe ich mich verlaufen oder unsere Truppe in die falsche Richtung gelotst. Naja, nach 3 Monaten hat man zwar Richtungen halbwegs im Kopf, aber an den Details hapert es noch. Ich hatte mir dafür von Donnerstag bis Montag Urlaub genommen, somit gab es am Dienstag viele E-Mails zu lesen, meine wöchentlichen Aufgaben musste ich in 3 Tagen erledigen, denn am darauf folgenden Freitag ging es nach Kuala Lumpur (Hauptstadt Malaysias, wem es entfallen sein sollte :-) ).

Da der Trip recht spontan war, hatten wir Probleme einen Bus für den Hin- und Rückweg zu bekommen. Denn halb Singapur reist am Wochenende aus (Malaysia = Subtropen + viele Traumstrände). Wie auch immer, für den Hinweg konnten wir einen komfortablen Reisebus ergattern. Für den Rückweg konnte ich die letzten beiden Plätze in der 2. Klasse im Zug sichern (in den Zügen gibt es hier nicht nur 2 sondern 3 Klassen…).

Im Morgengrauen ging unsere 5-stündige Fahrt los nach KL, im Bus gab es Getränke und Essen von einer Stewardess serviert. Man konnte sich auch einen Film anschauen, die Lautstärke war so runtergedreht um keinen zu belästigen, dass man gar nichts mehr hören konnte. Wir folgten dennoch den schönen Bildern…Irgendwann schlief Jana ein und ich arbeitete den Reiseführer durch und plante unsere Touren.

Das Busunternehmen und das Corus Hotel in KL arbeiten zusammen, so wurden wir direkt an unserem 4Sterne Schlafplatz abgesetzt. Von unserem Balkon, hatten wir einen schönen Blick auf den Hotelpool und einen Teil der Petronas Towers. Zimmer war mehr als in Ordnung und Preis-Leistungsverhältnis super. Das Beste war aber die Lage, MRT (U-Bahn) und Innenstadt waren in 5 Gehminuten erreichbar.

Mit zusätzlichen Karten aus dem Hotel beladen, marschierten wir los um die Stadt zu erkunden. Das Wahrzeichen und auch das markanteste Gebäude sind die Petronas Towers, die bis 2003 das höchste Gebäude der Welt waren. Mittlerweile sind sie aber „nur noch“ die höchsten Zwillingstürme, mit der höchsten begehbaren Brücke zwischen den Türmen. Man kann sich schon eine Menge Kategorien ausdenken um irgendwas besonders aussehen zu lassen. In dem Fall ist es aber gerechtfertig. Milliarden Tonnen von Edelstahl(!) sind nach den Grundprinzipien der islamischen Architektur angeordnet und auf jeden Fall sehenswert. Guckt euch einfach die Fotos dazu an! In dem Gebäude selbst sind Büroräume und im Erdgeschoss ist eine Shopping Mall die Gucci, Chanel, Prada und den ganzen Kram beherbergt. UND ein Pizza Hut. Wer uns kennt, der weiß, dass wir eingefleischte Fans dieser Kette sind. Nach dem uns die Pizza in Singapur nicht überzeugt hat, haben wir es hier noch einmal versucht. Fazit: 2Cokes (0.4l), 1 gr. Pizza, Garlic Bread, Tagessuppe = 10,00€ – Pizza konnte aber wieder nicht mit der Magdeburgischen Margarita und Tuna mithalten. Ein Eis bei McDonalds kostet 20Cent ein McFlurry 60Cent, da sieht man mal was diese Produkte in der Herstellung kosten und wie sehr unser Lohnniveau den Preis nach oben schraubt. Vor den Petronas Towsers ist ein kleiner Stadtpark vorgelagert, es gibt sogar einen kleinen Pool in dem Kinder baden können.

Nach einem Spaziergang durch kleine und große Strassen kamen wir am KL Tower an, der 4.höchste Sendemast der Welt (421m). Auf 250m Höhe gibt es eine 360° Aussichtsplattform, die wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Für 4Euro gab es dann auch gleich den Audioguide inkl., der zu jedem der 12 Aussichtsfenster, bzw. zu dem was dahinter zu sehen war, was erzählte. Anschließend hatten wir einen groben Überblick, was es alles zu sehen gibt – wir entschieden uns Richtung „Shopping / Bar“ – Innenstadt zu laufen. Unser Pfad brachte uns durch viele vermüllte Strassen, Abgase der stauenden Autos machten das tiefe Durchatmen auch nicht gerade einfach. Am Ziel, türmten sich erneut x-Shopping Malls mit Edelmarken.

Genau dieser krasse Gegensatz macht KL irgendwie interessant, zum einen richtig miese Strassen auf denen Hausmüll liegt und wo Ratten lang laufen, dann aber auch die modernen Wolkenkratzer vor denen alles blitzeblank ist. Die Stadt fühlt sich an wie Singapur vor 20Jahren. Wenn man nie in Singapur war, hilft die Aussage nicht weiter – aber so ist es irgendwie. Die Stadt scheint auf dem Weg in die moderne Bankmetropole, hat aber noch lange nicht die Perfektion und klare Struktur wie wir sie in Singapur kennen gelernt haben.

Um möglichst viel von der Stadt zu sehen, haben wir es bewusst vermieden an dem Tag mit der MRT zu fahren. Durch die zahlreichen Kilometer die wir gelaufen sind, fielen wir entsprechend müde in unser Bett…

Der Wecker klingelte 7:30Uhr – auch im „Urlaub“ wird sich nicht ausgeruht – denn man muss sich früh anstellen um die kostenlosen Tickets für die Petronas Brücke zu erhalten, es gibt auch keine Karten zu kaufen! Wer sich zur offiziellen Zeit angestellt hat, hat an diesem Tag schon gar keine Karten mehr bekommen. Aber ich war ja früher da J! Nach dem herzhaften Frühstück im Hotel wollten wir zu dann die Batu Caves angucken. Quasi kurz vor der Abfahrt haben wir zwei bekannte Gesichter aus Singapur entdeckt – Ruven und Mirjam. Ruven ist ein Arbeitskollege / Praktikant von Jana. Mirjam ist seine Freundin – auch Praktikantin in Singapur. Das man sich in so einer Millionen Stadt über den Weg läuft war schon sehr verwunderlich. Kurzerhand entschlossen wir uns das Taxi zu teilen und gemeinsam die religiösen Höhlen zu besuchen. Der Taxifahrer jammerte uns wegen dem weiten Weg, den hohen Benzin Kosten zu, auch das er viel Geld verloren hat, weil er im Endspiel auf die Deutschen gesetzt hat um den Fahrtpreis nach oben zu treiben – aber nicht mit uns :-) ! Wir haben gehandelt, aber sind uns trotzdem sicher, dass er uns am Ende immer noch abgezockt hat. Er war auch so nett zu warten und brachte uns nach zwei Stunden die 28km wieder zurück – und das insgesamt für 4€ pP. Aber zunächst zu den Höhlen: im Januar wandern viele Hindus zu der Höhle und feiern den Sieg des Guten gegen das Böse. Machen da Musik, Beten und bringen Opfergaben. Für den Rest des Jahren ist es für Touris kostenlos freigegeben. So konnten wir die weltgrößte (ich glaube aufrecht stehende) Buddha Statue sehen, natuerlich auch die Höhlen und Tempel drumherum an sich, was aber für Jana viel aufregender war, ganz viele frei rumlaufende Äffchen, die nach Essen jagen (mehr dazu siehe Fotos…).

Auf dem Video seht ihr einen Souvenirshop in der Höhle mit typisch kitschigen Artikeln und cooler Musik. Wir haben es schon bereut nicht so ein singendes „Bild“ gekauft zu haben, denn die Melodie geht uns nicht mehr aus dem Kopf…:-)!

Den Rest des Nachmittags verbrachten wir in Little India, welches sich nicht groß von dem in Singapur unterscheiden. Es gibt sogar eine Art „Mustafa Center“, in dem wir unsere Vorräte aufstockten. Mit dem letzten Einlass fuhren wir nach einem kurzen Petronas 3-D Werbefilm auf die gleichnamigen Brücken hoch. Was soll man sagen?! Nach dem wir schon sooviele tolle „Views“ von Wolkenkratzern hatten (wir selber leben ja im 26.Stock) war es jetzt nicht gerade atemberaubend, aber irgendwie gehört das zu einem KL Besuch dazu.

Nach einem Abstecher im Hotel mit kurzer Entspannung im Pool und in der Sauna (ja, in den Tropen haben Hotels auch Saunen) machten wir uns erfrischt auf den Weg zum Parlament und anschließend nach Chinatown zu einem Nachtmarkt. Selbst um 23.00Uhr war hier noch ein wirres Treiben und jeder wollte noch den letzten Deal des Abends machen.

Hier sieht man u.a. ein Gebäude aus dem Regierungsviertel und ein weiteres welches durch Fensterbeleuchtung ein Display bildete. Wir erkannten sofort, dass es sich hier um eine billige Kopie unseres blauen Blockes aus Magdeburg (zur Weihnachtszeit) handelt…:-)!

Am Sonntag ging unser Zug um 14.00Uhr schon Richtung Singapur deshalb war leider nicht mehr viel Zeit für große Ausflüge aber reichte um noch mal kurz Shoppen zu gehen. Wir haben uns genau den Betrag (in Ringet) für zwei „Footlong Subs“ aufgehoben, damit wir für die Zugfahrt was zu essen haben. Nachdem wir alle Fragen nach Brot und Soßen beantwortet haben, ging es ans bezahlen. Shit, wir haben die Steuern vergessen – denn dort ist alles ohne MwSt ausgeschrieben. So, da standen wir – Subs schon fertig aber uns fehlte genau ein Ringet (20Cent). Da man nur „große Scheine“ wechseln konnte, hätte es sich nicht gelohnt. War schon eine peinliche Situation, denn Sing. Dollar und Euro wollte man nicht annehmen. Freundlicherweise hat ein älterer Herr hinter uns (um endlich selber bedient zu werden vielleicht :-) ) uns den Differenzbetrag geschenkt. Noch ein wenig durch den Wind, habe ich beim Einsteigen in den Zug auch noch unser Ticket fallen lassen, durch ein Windzug huschte es natürlich genau unter das Gleis, so das man nicht mit der Hand rankommen konnte. Kurz vor Abfahrt half uns aber ein Mitarbeiter mit einem langen Stock doch noch unser Ticket rauszufischen. Die 10-stündige Fahrt quer durch Malaysia konnte beginnen. Klimaanlage natürlich wieder auf Tiefkühlfachmodus gestellt. Ich habe mir glaube auch da die Erkältung eingefangen, an der ich letzte Woche zu knabbern hatte. Wie auch immer, die Landschaft war sehr schön, alles grün und vor allem anders als KL – alles noch irgendwie 30 Jahre hinterher.

Zusammenfassend war das verlängerte Wochenende sehr schön, KL ist auf jeden Fall sehenswert, wohnen möchte ich da aber nicht. Man fühlt sich da einfach nicht so sicher wie in Singapur, die Tasche oder den Rucksack muss man immer im Blick haben. Von Hotelrezeptionist bis Taxi Fahrer – jeder versucht einen übers Ohr zu hauen. Das handeln ist schon irgendwie lustig aber auf Dauer auch anstrengend.

In der Zwischenzeit haben wir auch schon die nächsten Trips gebucht. Am kommenden Wochenende geht es auf eine kleine Insel namens Pulau Sibu in Malaysia. Wochenende darauf nach Borneo, ebenfalls malaysische Insel aber wesentlich größer, mit vielen Naturreservaten in denen man unberührten Regenwald sehen kann. Anfang August fliegen wir für 4 Tage nach Hong Kong. Und wir beginnen unseren letzten Monat hier in Südost Asien zu planen, für welchen 2 Wochen Thailand, 1 Woche Vietnam und ½ Woche jeweils für Laos und Kambodscha anstehen. Ob ihr wollt oder nicht, Reiseberichte werden folgen :-) !