Lieber spät als nie

April 23, 2008

(Jana)

Ich weiß wir sind im Verzug. Aber ihr müsst es uns nachsehen, denn wir fassen es jeden Tag selbst kaum wie schnell 24 Stunden vergehen.
Heute nehme ich mir aber die Zeit um ein bisschen über unsere letzte Woche zu Berichten.
Ab dem 14. April war nun unsere ruhige Urlaubszeit in Singapur vorüber. Jetzt müssen wir beide jeden Tag von Mo – Fr von 09.00 – 18.00 Uhr Arbeiten. Und Alex noch viel länger. Er hat schon nach einer Woche 10 Überstunden angehäuft.
Da bleibt während der Woche natürlich nicht viel Zeit für Sightseeing. Unsere größeren Trips verschieben wir somit auf das Wochenende.
Trotzdem haben wir natürlich auch in der letzten Woche was erlebt ;-)

Hier in Singapur gibt es zu Hauf deutsche Praktikanten und diese treffen sich alle Mittwochs im Insomnia. Das ist eine ‚Discobar’. Jeden Mitwoch bezahlt man 20S$ (ca. 10EUR) Eintritt und man bekommt als Mann von 21 – 23Uhr und als Frau von 21 – 24Uhr alle Getränke For Free. Da wir letzten Mittwoch noch mit einem Arbeitskollegen von Alex essen waren, waren wir leider erst um 22.30 Uhr am Insomnia. Somit hat es sich nicht mehr so ganz gelohnt die ‚Flatrate’ in Anspruch zu nehmen. Die Gegend ums Insomnia war aber sehr schön, deswegen erkundeten wir die umliegenden Bars und Restaurants. Aber es gibt ja zum Glück jede Woche einen Mittwoch. (siehe Fotos).

Trotz des vielen Arbeitens lebt es sich in Singapur schon sehr schön. Unsere Wohnung ist sehr gut platziert, so dass ich morgens 10min mit dem Bus zur Arbeit brauche (und auch nur weil Stop and Go ist – eigentliche Fahrtzeit 2min ;-) ) und Abends laufe ich meistens nach Hause (da kann ich ja verschwitzt ankommen). Auf dem kurzen Rückweg liegen sogar 2 Shoppingcenter. Somit wird einem nach der Arbeit auch nicht langweilig ;-) .
Apropos Wohnung, diese ist mittlerweile auch sauber und gut ausgestattet. Von eigener Tupperware, über Geschirr und Besteck bis hin zum eigenen Bügelbrett ist alles nun da.

Was ich aber noch erwähnen wollte ist das tolle, grandiose und umwerfende Wetter. Es ist jeden Tag so schön warm – kaum vorstellbar dass es in Deutschland kalt ist. Im Büro friert man sich zwar alles ab, wenn man kein Jäckchen oder Tüchlein bei sich führt, aber spätestens zum Mittag auf dem Weg zum nächsten Food Court weiss man wieder wo man is(s)t.

Letzten Sonntag wollten wir einen naheliegenden Park in unserer Wohngegend erkunden. Wir packten Decken, Sonnencreme und Früchte ein und machten uns auf den Weg. Jedoch mussten wir feststellen, dass ein Park hier kein Park in unserem Sinne sein muss, der Spottishwood Park war ein Fleck Tropen – Urwalwald, dichte Vegetation und kein Fleck zum Hinlegen. Also wurde aus dem Faullenzen und Bräunen im Grünen nichts. Jedoch machten wir noch eine andere kleine, noch viel schönere, Entdeckung. Mitten aus dem Urwald kamen auf einmal drei kleine Hundewelpen. Die waren so süß. Die spielten miteinander und dann kamen später noch drei Weitere aus dem Busch. Alex verbot mir sie an zu fassen und tischte mir gleich eine Horrorgeschichte von Krankheiten auf. Die Hunde waren aber sehr gepflegt und wurden bestimmt dort ausgesetzt. Diese Woche werde ich den Süßen noch einen Besuch abstatten.

Alex: „Dr. House würde sagen, süße Kinder und Tiere haben keine ansteckenden Krankheiten und wenn dann kann man sie mit viel Sonnenschein und Liebe heilen…“

Nachdem mich Alex nach einer Dreiviertelstunde, 20 Fotos und 3 Videos bei den Hunden überredet hat nach Hause zu gehen, haben wir uns noch für gute 2 h in unserem Vorgarten gebräunt. Die Sonne ist hier so krass, dass man mit einer Sonnenmich unter 30 nichts anfangen kann.
Das Highlight des Wochenendes war jedoch der Stadtteil Little India. Als wir aus der MRT ausgestiegen sind, dachten wir in Bombay oder Neu-Delhi angekommen zu sein (wir waren noch nie da, aber so stelle ich es mir da zumindest vor). Nichts ließ darauf deuten in Singapur zu sein. Die Strassen waren nicht mehr ‚geleckt’, kaum Chinesen und Frauen zu sehen, die saßen wohl zu Hause und haben auf die Kinder aufgepasst. Nur sehr viele männliche Inder, die scheinbar sinnlos durch die Strassen irrten. Es war kein Durchkommen. So volle Strassen habe ich lange nicht gesehen. In Little India gibt es ein Einkaufscenter – das Mustafa Center – 24 h am Tag und 7 Tage die Woche geöffnet. Ich kann es jedoch keinem empfehlen am Sonntag dort Einkaufen zu gehen. Es war noch voller als auf den Strassen. Die ohnehin schon schmalen Gänge waren noch durch Einkaufskörbe versperrt. Wir hatten das Gefühl, als ob es ab dem kommenden Tag nichts mehr gibt und alle ihre Hamsterkäufe tätigen. Nach 1h in diesem Laden und auf der Suche nach Spannbettlacken (im Moment sind unsere Lacken mit Sicherheitsnadeln fixiert und es ist jedes Mal sehr zeitintensiv die Lacken zum Waschen abzunehmen) bekam Alex eine Krise und somit versuchten wir nach draussen zu flüchten (bepackt mit Drogerieartikeln, Fußabtreter und Tupperware). Dort angekommen, ging es genau so weiter wie im Laden. Ich weiß gar nicht wo die vielen Menschen alle hier Wohnen können. Die Strassen waren voller als zuvor – und mal wieder nur mit Männern. Als ‚weiße’ Frau, war das nicht sehr angenehm, sich dort durch die Strassen zu quetschen.

Alex: In unserem Reiseführer steht extra, man soll eine lange Hose einem Minirock vorziehen. Naja, den hatte Jana zwar nicht an, aber einen Ausschnitt, der die meisten unglaublich irritiert hat. (Jana hat diesen dann geschickt mit Pulli oder Reiseführer verdeckt ;-) ) . Vllt hätte sie sich so eine bunte Kutte anziehen sollen, die dort in allen Läden verkauft wird.
Kurz vor 18Uhr standen wir vor einem Tempel und lasen zugehörige Infos in dem Reiseführer, der empfahl eine Messe zu besuchen, die immer sonntags um diese Zeit stattfinden. Das passt doch wie die Faust aufs Auge dachten wir und standen Sekunden später barfuss in Mitten der Zeremonie. Ist schon ein wenig anders als der Gottesdienst in Deutschland. Viel Hektik und Geschiebe und vor allem bunt. Auch viele blinkende Lichterketten, die das Gesamtbild abrunden. Aber es war sehr schön, das miterleben zu können. Wir fühlten uns da aber ein wenig fehl am Platz, deswegen sind wir schon nach paar Minuten gegangen.

Auf dem Rückweg, haben wir noch schnell den Wocheneinkauf erledigt. Sind dann mit schwerer Wassermelone, 2l Ajax, Getränken, Mop, Bügelbrett und mal wieder Tupperdosen bewaffnet zurück ins Getümmel. Mittlerweile war der Bürgersteig auf die Strasse ausgeweitet und die Hupe der zentrale Verkehrregel (Über Rot gehen kostet hier sonst 1000$, aber das hätte hier keiner durchsetzen können). Aus den Läden dröhnte Bollywood Musik. Haufen Menschen standen oder saßen einfach nur rum und erzählten. Vllt war auch an dem Tag Internet oder Fernsehen ausgefallen.
Als wir aber mit der MRT zwei Stationen weiter gefahren sind und ausgestiegen sind, konnten wir diese These widerlegen. In dem Straßenbild hat nur noch so ein Strohballen gefehlt, der durch den Wind voran geschoben wird. Also tote Hose. Es muss wohl einfach an der anderen Kultur und Mentalität liegen ;-) !

Am Montag waren wir auf einer kleinen Geburtstagsparty von einer Arbeitskollegin von mir. Wir haben uns alle in der New Asia Bar getroffen. Das ist eine Bar im 70. Stockwerk. Mit ‚wir’ meine ich noch viele andere Praktikanten und Arbeitskollegen.
Der Hammer war schon die Fahrt mit dem Fahrstuhl. Innerhalb von ein Paar Sekunden erreichten wir das 70. Stockwerk. Kein Vergleich mit dem Fahrstuhl in der FIN oder der EXFA. Ich bekam sogar Druck auf den Ohren ;-) . Oben angekommen war es aber der Hammer. Man hatte eine super Sicht auf ganz Singapur. Einfach nur schön.


Ruhe vor dem Sturm …

April 13, 2008

(Alex)

Aufgrund von mehreren Nachfragen möchte ich vorwegnehmen mir geht’s wieder super, bin wieder fit und wohlauf.

Die letzen paar Tage kann man wohl recht gut mit einem Wort zusammenfassen – „Einleben“. Ich war in der letzten Woche bereits zweimal auf Arbeit um mich vorzustellen, Anträge für Accounts auszufüllen, mit der Projektleiterin letzte Neuigkeiten auszutauschen sowie um Lappi und das erste Gehalt abzuholen :-) . Die vielen Singapur Dollars wurden dann auch gleich auf unser hier neu eröffnetes Konto eingezahlt. Bei der ersten Bank wollte man noch einen Einheimischen haben, der für uns haftet, da es aber in Singapur mindestens so viele Banken wie Essbuden gibt, haben wir uns für die Konkurrenz entschieden. Dort konnten wir als „Ausländer“ problemlos ein Konto eröffnen. (Nur so als Info, hier gibt es keine TAN’s sondern nur SMS, kein Kontoauszüge sondern Kontobücher die man in den Drucker schiebt… also alles ein wenig anders). Wir haben glücklicherweise einen geduldigen Bankmitarbeiter erwischt, der unsere Fragen manchmal doppelt beantworten musste – teilweise mit aufmalen. Nicht weil wir nicht zu hören können, sondern weil hier Singlish gesprochen wird. Man versteht vieles nur bröckchenweise und versucht dann den Zusammenhang zu erraten. Viele Chinesen sprechen auch sehr leise, womit besonders Jana ein Problem hat :-) (Ich sage nur: „Was hat er gesagt“?). Die Inder hingegen haben wieder ihre ganz eigene Betonung. Hoffentlich gewöhnen wir uns noch an diese Akzente / Dialekte…

Am Freitag habe ich noch einmal frei bekommen, sodass wir ein verlängertes Wochenende hatten. Den ersten dieser Tage nutzten wir für eine kleine Sightseeing-Tour im CBD – Central Business District. Da will ich gar nicht viel zu sagen, schaut euch die Bilder weiter unten an. Fazit: Bislang gefällt uns die Stadt sehr gut, ist wirklich so sauber und geregelt, wie man von Vielen schon gehört hat, insgesamt ist auch alles sehr grün, es gibt unzählige Einkauf- und Essmöglichkeiten.

Kleiner Einschub zum Thema „Essen“: Die Lebensmittel in Singapur sind selbst im Discounter recht teuer, da man so ziemlich alles hier importieren muss. Kleines Beispiel: abgepackter Gauda Käse 250g = 3,00€; Spaghetti / Nudel 500g = 1,50€. Viele Einheimische und auch wir mittlerweile essen in so genannten „Food Courts / Hawker Center“ (http://en.wikipedia.org/wiki/Hawker_centre). Hier gibt es viele Sachen auszuprobieren aus Malaysia, Indonesien, Indien, Japan und der Western Region (was in der Regel Burger, Pizza und Pasta ist). Pro Mahlzeit mit Getränk bezahlt man ca: 5$ (2,50€), sodass es sich wirklich kaum lohnt selber einzukaufen und zu kochen. Auch McDonalds, Burger King und Co. sind hier preiswerter – ein Maxi-Menü gibt es schon ab 5,50$. Wir versuchen uns langsam an das Essen hier heranzutasten, da es sehr scharf ist und auch teilweise merkwürdig gewürzt ist (kaum Salz). Zweimal habe ich auch schon bei der Menüwahl für uns ins Klo gegriffen – Laksa und Siam irgendwas würde ich nicht noch mal bestellen. Jana hatte bislang mit ihrer wählerischen Art ein glücklicheres Händchen. Gibt also auch leckere Sachen hier, aber irgendwie schmeckt alles nach der „3“, aber in verschiedenen Variationen.

Am Sonnabend wollten wir Richtung „Orchard Road“, das ist die „Oxford Street“ Asiens. Wir brauchen noch einige Business Klamotten (und Jana einen eigene Wäschespinne). Leider wurden wir von einem Gewitter geweckt. Und wenn es hier mal regnet, dann wirklich wie aus Eimern, da hilft auch kein Regenschirm (wofür es sogar hier Automaten gibt – siehe Foto). Bei einem Donner, hört es sich dann auch an als ob eine Bombe neben Einem zündet. Wie auch immer, wir haben es erstmal vorgezogen zu Hause zu bleiben. Aber natürlich nicht tatenlos. Wir haben zu zweit 2h lang das Bad geschruppt, jetzt genügt es unserem Sauberkeitsmaßstab. Dann hat es doch noch aufgehört zu regnen und wir sind dann doch noch zum shoppen gekommen. Bis zur „Orchard Road“ sind wir gar nicht gekommen, haben den Nachmittag komplett im „Plaza Singapura“, ein 7-Stöckiges Allee Center, verbracht. Ausbeute: 1 x FlipFlops für mich, eine Hose für Jana und 100 kleine Sachen für unsere Wohnung, besonders Stolz sind wir auf unser 4-Stufen-Plaste-Rack für das frisch geputzte Bad. Beim Waschmittelkauf wurden wir auf Deutsch von einer Verena aus München begrüßt. Es ist schon komisch, man würde zu Hause nie im Leben einfach so einen Plausch mit einem Wildfremden beginnen und Nummern austauschen, aber hier schweißt die Herkunft irgendwie sofort zusammen. Abends gab es dann noch „Western Food“ zum Ausklang und dann sind wir auch schon nach Hause.

Ein kleiner Nachtrag zu den Klamotten: hier gibt es wirklich eine große Auswahl, preislich gesehen aber kaum Unterschiede zu Deutschland. Auch technisches Equipment ist nicht wesentlich günstiger. Aber ich glaube man zahlt hier nur 5% MwSt, das muss ich aber noch mal nachprüfen.

Heute sind wir zeitig aufgestanden, um endlich den 6-stündigen Zeitunterschied zu kompensieren. Sonst sind wir immer erst um 3Uhr morgens ins Bett und haben bis zum frühen Mittag geschlafen. Dafür wurden wir auch mit Traumwetter belohnt. Also sind wir nach Sentosa gefahren. Vermutlich immer der erste Anlaufpunkt für Touris. Sentosa ist eine Insel die vor Singapur liegt. Hier kann man am Wochenende seine Seele, am künstlich angelegten Strand, baumeln lassen. Es gibt auch ein Delphinarium, Schmetterlingspark, Jungle-Trails und sonstigen Krams, den wir irgendwann anders mal erkunden werden. Wir zwei Weißbrote haben uns gleich einen schönen Sonnenbrand abgeholt, obwohl wir uns eingecremt haben und nur 45min nicht unter dem Schirm gesessen haben. Die Anlage ist schon recht künstlich und der Anblick auf die vielen Tanker ist auch nicht gerade malerisch, aber es ist trotzdem sehr gut zum relaxen und x-Mal besser als Barleber- und Neuestädter See zusammen. Im Hintergrund dröhnt Disco-Musik, man kann sich im pisswarmen Wasser „abkühlen“ und Sandburgen bauen. Ich habe auch gleich die Gelegenheit genutzt und erstmal beim Beach-Soccer unter Palmen den einheimischen Jungs gezeigt wie und wo in Deutschland der Fussball-Hammer hängt :-) . Übrigens kennt man hier auch den Ballack, Klose, Kahn und Poldi. Auf dem Rückweg gab es malaiisches Irgendwas zum Abendbrot mit einem total übersüßten Ananassaft.

Ab morgen wird es dann ernst für uns Beide. Jana hat ihren ersten Tag auf Arbeit und bei mir kommt die halbe IT – Welt nach Singapur, aber nicht nur für unser Projekt sondern auch für eine wegweisende Tagung, aber dazu folgt der Bericht dann später.

Da der FCM auswärts 1:0 gewonnen hat, kann ich dann auch sogar jetzt erfreut schlafen gehen ;-) Gute Nacht!


Der erste Tag

April 11, 2008

(Jana)

Der erste Eindruck von unserem Heim war eigentlich ganz gut. Thu Anh und Nitin (unsere Vermieter und Mitmieter) servierten uns sofort kalte Getränke und zeigten uns die Wohnung bzw. unser Zimmer. Da es leider schon sehr spät war und die Beiden am nächsten Tag früh raus mussten, blieb leider nicht viel Zeit zum Schnacken. Sie gaben uns noch eine Map von Singapur, zeigten uns die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit für Getränke und Essen und dann waren wir schon wieder auf uns selbst gestellt. Nach der 30-stündigen Reise mit nur ca. 7 h schlaf und noch dem Schrecken von Alex Reiseuntauglichkeit im Nacken waren wir mehr als fertig. Mittlerweile war es hier gegen 23.30 Uhr. Wir „skypten“ noch nach Deutschland um allen Bescheid zu geben, dass wir gut angekommen sind. Trotz des wenigen Schlafes der letzten Tage konnten wir in dieser Nacht erst um 3 Uhr morgens einschlafen.

Am nächsten Tag schliefen wir bis um 12Uhr Mittag (6Uhr Deutsche Zeit). Unsere innere Uhr hatte sich also noch nicht umgestellt. Frühstück bzw. Mittag fiel mager aus. Es gab für Alex lediglich ein trockenes Brötchen noch aus Deutschland und für mich ein Monte, natürlich ebenfalls noch aus Germany. Zum Glück hatten wir noch einen Orangensaft aus dem Flugzeug mitgehen lassen.  (Sandy musste sich wohl auch gewundert haben, denn in der Tüte landete nicht nur der O-Saft sondern auch die guten Emiratesdecken für den Strand, Erfrischungstücher und Wasserpäckchen).

Da ich mein Arbeitsvisum bis spätestens zum 10.04. abholen musste, machten wir uns nach einem Zwischenstopp in einem Tante Emma Laden gleich auf die Socken Richtung Ministry of Manpower. Nachdem uns „google maps“ nun zum zweiten Mal in eine völlig falsche Richtung geschickt hatte, kamen wir dank der Map unserer Vermieter eine gute Stunde später im MOM an.

Singapur’sche Ämter unterscheiden sich nicht groß von Deutschen – das heißt: Nummer ziehen und warten. Leider gibt es hier aber 5 verschiedene Ticketautomaten. Nachdem wir uns für das Ticket „Work Pass Division“ entschieden hatten, wurde uns die Nummer U508 zugeteilt. Die Schalter und der Warteraum waren eine Etage höher. Dort angekommen sahen wir schon die Menschen auf den Gängen stehen. Auf der Anzeige blinkte die nächste Nummer – es war die U822. Im ersten Moment dachten wir der Ticketautomat sei defekt, so dass ich Alex runter geschickt hatte um noch ein Ticket zu ziehen. Als er wiederkam hatte er die Nummer U535 in der Hand. Okay also ist der Automat nicht defekt. Nun war uns klar, dass die Anzeige bis U999 durchläuft und dann wieder bei U001 anfängt.

Da wir nicht den ganzen Nachmittag im „unterkühlten“ Amt sitzen wollten (ich hatte mir natürlich ein Jäckchen mitgenommen - Alex dagegen nicht und ihm war kalt) wollten wir uns die Gegend anschauen. Durch das lange Suchen des Amtes hatte ich mir paar Blasen an den Füßen gelaufen, die mit Pflastern versorgt werden wollten – die wir nicht bei hatten. Die erste Apotheke, die wir fanden war voll mit Kräutern und getrockneten Tintenfischen – Hansaplast gab es trotzdem :-) . Das Viertel in dem MOM gelegen ist heißt Chinatown. Es gibt dort zahlreiche Shops, Banken und Food Courts. Wir tauschten unser Geld und holten uns Prepaid Karten für das Handy. Telefonieren ist hier sehr günstig. Eine SMS kostet nicht mal 3cent und eine Minute telefonieren 4cent – jede Zeit jedes Netz.

Nach einer Weile kehrten wir zurück ins Amt und nahmen mit Schrecken zur Kenntnis, dass die Anzeige erst bei U200 war. Jedoch warteten nur noch wenige Menschen und die Mitarbeiter waren damit beschäftigt die Nummern durchlaufen zu lassen. Anscheint hatte irgendwer 200 Nummern aus Spaß gezogen. Somit bildete sich eine Schlange und jeder kam nacheinander dran. Irgendwann auch wir. Ich gab meine Unterlagen ab und mir wurde mitgeteilt, dass ich meinen Pass am darauf folgenden Tag abholen darf.

Wir kehrten zurück zu dem Einkaufscenter und entdeckten einen coolen „Pfennig-Laden“. In Deutschland würde Alex niemals in so einen „Tinef“ Laden gehen, da er meint da gibt’s nur Müll. Hier jedoch „shoppte“ er ohne Halt. Ein Auszug unsere Ausbeute: Zahnputzbecher, Mülleimer für unser Zimmer, Reisestecker, Sicherheitsnadeln, Klebeband.

In dem Einkaufszentrum gab es jedoch leider kein Supermarkt. Somit aßen wir in einem Food Court und fuhren mit der MRT nach Hause, da wir noch unsere Koffer auspacken wollten.

Als wir zu Hause waren, nahmen wir zum ersten mal die Wohnung genau unter die Lupe. Da ist uns leider aufgefallen, dass unsere Mitmieter „Messies“ sind. Die Küche muffelt etwas, überall liegt etwas rum und nirgends ist Platz für unsere Lebensmittel (okay bis dato hatten wir noch keine – aber das wollten wir ja noch nachholen).

Naja halb so schlimm dachten wir, die werden ja irgendwann mal ihr Zeug aufräumen und Platz schaffen. Somit wendeten wir uns unserem Zimmer zu.

Es ist klein, aber wir wussten wir können da noch was rausholen. Es ist ca.15qm groß, hat 2 Betten und 2 Schränke. Da wir beide ja sooo busy sind, haben wir ja noch 2 Lappis unterzubringen – jedoch gibt es im Zimmer kein Tisch. Viele von euch kennen ja Alex „Ingenieur“ Künste als Duschenbauer, Schreibtischbauer, Kleiderhackenbauer, Grillbauer, Gardinenstangenreparierer usw. Alex überlegte nicht lange und entschied sich für ein Sideboard. Er nahm eine Tür seines Schranks heraus und wollte rechts neben den Betten eine Ablage schaffen. Unsere „Messie-Mieter“ hüten zum Glück auch Zeitungen und Kartons. Somit war es für Alex eine Leichtigkeit ein Sideboard zu kreieren. Ich putzte in der Zwischenzeit unsere vorhandenen Schränke und packte die Koffer aus.

Um unserem Zimmer ein Stück „Heimat-Feeling“ zu verleihen platzierten wir noch unsere Mitbringsel aus Deutschland.


Angekommen…

April 10, 2008

(Alex)

Nach der tollen Abschiedsfeier am Samstag fiel uns der Abschied, trotz aller Vorfreude, doch sehr schwer. Die zahlreichen Geschenke und Andenken werden uns aber helfen alle gut in Erinnerung zu behalten. Wir konnten leider nicht alles mitnehmen, da unsere Koffer schon die 20kg Marke weit geknackt haben. Einige ausgewählte Stücke haben dennoch reingepasst ;-) . Vielen Dank für eure Mühe und die tollen Ideen.

Dem Einen oder Anderen ist vielleicht schon mein Bauchschmerzengejammer an dem Abend aufgefallen. Alles nicht so schlimm dachte ich mir – wird schon weggehen. Als es mir aber am Sonntag immer noch nicht besser ging, entschloss ich mich doch mal zum Notarzt zu fahren (9.30Uhr) – schließlich lag eine 30-stündige Reise vor uns. Schnell Medizin für den Infekt abholen und dann wieder nach Hause Sachen zu Ende packen. Denkste! Im Medico-Center angekommen, wurde ich von der netten Krankenschwester gleich nach vorne geschoben. Obwohl ich Kassenpatient bin, hat meine Notlage letztendlich doch überzeugt. Die Ärztin taste mein Bauch ab uns sagte gleich das es kein Infekt ist. Glück gehabt dachte ich mir. Die Ernüchterung folgte aber gleich darauf – verdacht auf Appendizitis. Sie leitete mich an den Chirurgen weiter, der sich das noch einmal angucken sollte. Einige Tests später konnte schließlich auch er sich nicht festlegen, ob mein Blinddarm entzündet ist oder nicht. Eine Flugerlaubnis gab es von beiden nicht. Der Chirurg schickte mich ins benachbarte Uniklinikum (11.00Uhr). Bei der Notaufnahme wurde ich informiert, dass der Behandlungszyklus mind. 2h dauert. Ich sollte mir auch im Klaren sein, dass ich auch am Ende des Tages eingewiesen bzw. sogar operiert werden muss. Da ging mir auf Deutsch gesagt der Arsch mehr als auf Grundeis. Gesundheit geht dennoch vor, deshalb entschloss ich mich den Tests zu unterziehen. Die Details erspar ich euch mal hier. Aber die Wartezeiten waren wirklich mehr als nervenraubend, da ich mittlerweile echt unter Zeitdruck stand – unser Zug sollte um 14.00Uhr abfahren.

Da wir den Flug schon einmal verschieben mussten, haben wir uns entschlossen keine Reiserücktrittsversicherung zu nehmen, diesmal wollten wir auf jeden Fall fliegen… :-/

Jana saß schon auf den Koffern und war verzweifelt – meine Eltern ebenso. So nutze ich jede freie Minute um die Zwischenstände durchzugeben. Während den Untersuchungen versuchte ich mich mit Galgenhumor einwenig selber aufzubauen.

Ich: „Wie lautet ihre Differentialdiagnose?“

Arzt, ca. 28Jahre: „Es ist nicht Lupus!“

Angst hatte ich dennoch, nicht vor der Operation sondern vielmehr, dass alles so knapp davor noch kippen könnte. Um 13:25Uhr saß ich mittlerweile beim vierten Arzt im Zimmer, der mir die Ergebnisse des Blut- und Ultraschalltests mitteilen sollte. Auch er taste mich von vorne bis hinten ab. Keiner wollte das Risiko für die Flugerlaubnis tragen. Da zumindest die Appendizitis nicht nachgewiesen werden konnte, bescheinigte er mir, dass ich flugfähig bin. (Übrigens – Danke Papa. Es war wirklich super, dass du mitgekommen bist.) Jana ist in der Zwischenzeit zu mir nach Hause gefahren, um meine Sachen zu ende zu packen. 14:30Uhr sind wir dann nach einem kurzen Mittagessen alle gemeinsam los. Ich hatte nicht mal die Zeit mir die Haare zu gelen :-) – egal, ich war einfach nur happy, dass wir fliegen konnten! Mit einer Stunde Verspätung sind wir dann vom Magdeburger HBF los. Die Fahrt nach Frankfurt verging ruckizucki und half doch sehr den Adrenalinpegel zu senken. Bis auf eine laut telefonierende Klischee – Wessitante gab es bei der Fahrt auch nichts auszusetzen. In Frankfurt waren wir leider ein wenig spät dran und bekamen keine Fensterplätze mehr, wenigstens hat den „Einchecker“ unser Übergewicht nicht interessiert.

Meine Flugangst habe ich aufgrund der überschlagenden Ereignisse am Tag fast vergessen, so war ich eigentlich ganz ruhig als wir die riesige Boing betraten. Beim Start schwitzten meine Hände trotzdem, aber es lief alles glatt.

Mit Emirates fliegen ist wirklich super – Service spitze, Essen einwandfrei (mit Metallbesteck), persönliches Media Center im Sitz (Musik, Spiele, aktuelle Kinofilme, Nachrichten usw.) erstklassig. Einziges Manko schreiende Kinder und zu wenig Beinfreiheit. Mit meinem großen Pflaster vom Blutabnehmen und einem mitleiderregendem Blick konnte ich zwei weitere Plätze erschlauchen. So bekamen wir schließlich noch paar Stunden „Schlaf“. Die Landung in Dubai war butterweich; unser Gepäck wurde automatisch weitergeleitet. Wir suchten uns erstmal zwei Liegesitze, zwischen den ganzen Leuten die auf dem Boden lagen. Andere Länder – andere Sitten :-) . Durch die Lautsprecher dröhnte die ganze Zeit „Rechner an“ (google: arabisch Flugnummer). Uns war es egal, der Lappi war schon lange gebootet. Noch schnell eine E-Mail nach Hause geschickt und weiter zum Zoll und zu der 1A Sicherheitskontrolle:

Beamte: „Haben sie Flüssigkeiten oder irgendwelche anderen gefährlichen Gegenstände mit?“

Wir: Nein.

Beamte: „Okay, sie können weiter gehen.“

Kein Abtasten, kein Gepäck röntgen – hmm – klappt ja trotzdem. Der Flieger nach Singapur war ein Zwischenstop nach Australien und Neuseeland. Wir teilten uns die mittlere 4-er Bank mit einem „Sandy Cohan“. Jana frierend im Pulli, legte sich die zweite Emirates Decke über den Schoß. „Sandy“, ca. 50, braungebrannt, Surfertyp, saß in seinen Flip-Flops und kurzen Hosen und bestellte sich erstmal ein O-Saft mit viel Eis. Naja, wir versuchten ein wenig zu schlafen, aber das ist in der Economy – Class wirklich kaum möglich. Nachdem ich den Computer im 6. Anlauf im „Leicht – Modus“ bei Dame geschlagen habe, guckten wir „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ – die Zeit verging dann auch wie im Fluge :-P . Auch in Singapur war die Landung ruckelfrei. Die Koffer haben den Weg unbeschadet überstanden und wurden erstmal von den Beamten auf Drogen und Geldbündel geröntgt. Da wir aber beides nicht mithatten ließ man uns passieren.

Visum erhalten, MRT – Ticket gezogen und ab in Richtung Wohnung. Da ich einen „google-maps“ Ausdruck hatte, wusste ich genau wo ich hin musste. Am Outram – Park angekommen, bis dato war noch alles akklimatisiert, kamen wir das erste Mal an die „Frische Luft“. Es war der Hammer. Wer noch nie in der Ecke war, es ist vergleichbar mit dem Affenhaus im Magdeburger Zoo (ich meine nicht den Geruch) oder besser mit den Gruson - Gewächshäusern. Ich habe jetzt schon bereut Pullis mitgenommen zu haben. Auf jeden Fall, Hose hochgekrempelt, sich bis auf das T-Shirt ausgezogen und losmarschiert mit unserem riesigen Gepäck. Uns hätte aber mal jemand den Tipp geben können, dass google den grünen Punkt einfach irgendwo hinsetzt und nicht an die genaue Adresse.

Klitschnass, entnervt und total übermüdet haben wir einen netten Wächter gefunden, der uns direkt zu unserer Wohnung gelotst hat…. To be continued.